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Wassersport Akademie

Kursgerechtes AufstoppenWahlpflicht - Praxis-Manöver - Sportbootführerschein See

Das Wahlpflicht-Manöver »Kursgerechtes Aufstoppen« ist ein klassisches Standard-Manöver, das wir sehr häufig nutzen.

Auf der Straße würdest du zu hören bekommen:

»Machen Sie eine Vollbremsung!«

Dieses Manöver ist überhaupt nicht schwer. Es ist nur etwas anders, als wir es von der Straße gewohnt sind...

Auch auf dem Wasser müssen wir gelegentlich mal eine Vollbremsung aufs Parkett legen. Mal, weil uns irgendein Penner die Vorfahrt nimmt. Mal, weil wir selbst ein bisschen verpeilt durch die Gegend hirschen.

Kurz gesagt: Dieses Manöver wirst du definitiv auch später brauchen. Und sei es nur, weil du mal wieder zu hastig an den Steg ranfährst und in letzter Sekunde beschließt, dass du ihn doch nicht versenken willst.

Situation und Zielstellung

Wir befinden uns gerade so richtig schön "in Fahrt", hetzen also übers Wasser. Plötzlich gibt es einen guten Grund hart abzubremsen.

Dieses Manöver ist super-einfach. Jeder kann es spätestens nach dem 2. Versuch.

Wenn wir jetzt einfach nur Gas wegnehmen, wird das Boot noch eine ganze Weile weiter treiben. Das könnte unter Umständen ziemlich knapp werden. Also wollen wir, dass sich der Bremsweg verkürzt.

Benötigte Crew - (keine)
Schwierigkeit
Aufwand

Der Ablauf des Manövers im Schnelldurchgang:

  • 1. Prüfer: »Stoppen Sie das Boot auf!«
  • 2. Du: »Ich stoppe das Boot jetzt auf!«
  • 3. Geradeaus lenken
  • 4. Leerlauf einlegen
  • 5. Rückwärtsgang einlegen
  • 6. Vollgas rückwärts
  • 7. Leerlauf einlegen
  • 8. Du: »Das Boot ist jetzt aufgestoppt!«

Prüfungs-Tipp Übe dieses Manöver "trocken" bis du es beherrschst. Stelle dich hin, sage alle Texte und mache alle Handbewegungen genauso, wie du sie auch auf dem Boot machen würdest. Laut. Deutlich. Und mit klaren Handbewegungen

Lern-Tipp So albern es dir vielleicht erscheinen mag: Dein Kopf speichert diese Informationen - also deine Handbewegungen und die Texte - zusammen ab. In der Prüfung wirst du dich dann sehr leicht, geradezu "automatisch", an jeden Handgriff und die notwendigen Texte erinnern können.

Prüfungs-Tipp Lass dir von deiner Familie helfen: Sie sind der Prüfer und kontrollieren deine Handbewegungen und Texte mit dieser Manöver-Übersicht. Dann lernst du es schneller und einfacher auswendig.

Prüfer: »Stoppen Sie das Boot auf!«

Alles beginnt - wie immer - mit einer Anweisung vom Prüfer:

Prüfer:
»Stoppen Sie das Boot jetzt auf!«

Und der Prüfer will jetzt wirklich nichts anderes von uns sehen, als dass wir das Boot einfach nur anhalten. Also möglichst schnell anhalten.

Und - auch wie immer - als allererstes wiederholen wir erst mal, was der Prüfer von uns verlangt hat:

Du:
»Ich stoppe das Boot jetzt auf!«

Der Grund ist ebenfalls derselbe wie immer: Damit sagen wir dem Prüfer, dass wir seine Anweisung verstanden haben. Wenn er jetzt noch etwas anderes will, soll er es sagen. Wenn nicht, soll er einfach nur die Klappe halten und uns das Boot abbremsen lassen.

Diese Anweisung vom Prüfer macht nur Sinn, wenn das Boot gerade in Fahrt ist. Da du in der Prüfung sowieso niemals schnell fährst, ist das auch kein Problem.

Schritt 1: Geradeaus-Fahrt!

Dieses Manöver kann man in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen machen. Lass uns die einfachste Schwierigkeits-Stufe nutzen!

Prüfungs-Tipp Mache es dir in der Prüfung so einfach wie möglich!

Es ist sehr viel leichter, eine Vollbremsung zu machen, wenn das Boot geradeaus fährt. Deshalb richte das Boot auf eine Geradeausfahrt aus.

Fehler-Quelle! Jetzt noch KEIN GAS WEGNEHMEN! Lasse das Gas so, wie es ist. Nur geradeaus lenken!

Alles, was du in diesem ersten Schritt machen musst, ist das Boot geradeaus zu lenken. Es muss nicht "100%-ig geradeaus" sein. "Ungefähr geradeaus" reicht völlig aus.

Das hängt mit den physikalischen Eigenschaften des "Schwimmens auf dem Wasser" zusammen. Mehr musst du dazu nicht wissen. Mache es einfach; dann wird dir das Manöver auf Anhieb gelingen.

Schritt 2: Leerlauf einlegen

Logisch! Wir wollen ja abbremsen. Also nehmen wir jetzt KOMPLETT das Gas weg. Wir schalten den Motor also in den Leerlauf.

Praxis-Tipp Den Leerlauf hörst du durch ein deutliches "Knacken" am Motor. Und du spürst ihn durch ein deutliches "Einrasten" am Gashebel.

Diesen Schritt machen wir, um das Material - also vor allem den Motor und die Schraube - zu schonen.

In einem echten Notfall würden wir ihn selbstverständlich überspringen und direkt den Schritt 3 ausführen. Da das aber den Motor extrem belastet, sollte man es nur bei echter Notwendigkeit machen.

Schritt 3: Rückwärtsgang einlegen

Und jetzt kommt der Trick: Anders als auf der Straße, wo dieser Trick dir den Motor, das Getriebe und noch einiges andere zerstören würde, können wir auf dem Wasser mit dem Rückwärtsgang bremsen.

Eigentlich MÜSSEN wir mit dem Rückwärtsgang bremsen, denn etwas anderes haben wir nocht. Es sei denn, du willst ein Paddel raushalten und das Boot so abbremsen. Aber das wäre so, als würdest du versuchen, ein rollendes Auto mit den Füßen abzubremsen...

Praxis-Tipp Rückwärtsgang rein und zügig - aber nicht "hastig" - rückwärts Vollgas geben. Du musst den Hebel also nicht in einer halben Sekunde nach hinten reißen, sondern du ziehst ihn in »... ein-und-zwanzig ... zwei-und-zwanzig ... nach hinten, bis der Motor richtig laut aufheult.

Im Auto betätigen wir die Bremse. Wir treten sie bis zum Anschlag durch und überlassen Bremskraftverstärker, ABS und all den anderen elektronischen und mechanischen Helferchen die Arbeit, das Auto zum Stehen zu bringen.

Auf dem Wasser haben wir keine Bremse. Es gibt nichts, was, wie und womit wir hier Bremsen könnten. Man sieht zwar gelegentlich ein paar Nasen wild mit dem Paddel arbeiten, um das Boot daran zu hindern, gegen den Steg oder ein anderes Boot zu treiben; doch das ist so, als würdest du ein Auto mit den Füßen abbremsen wollen: Unser Boot wiegt einige Tonnen. Die hältst du nicht auf, wenn die einmal in Schwung sind...

Schritt 4: Wieder Leerlauf einlegen

Sobald das Boot zum Stehen gekommen ist, legen wir wieder den Leerlauf ein.

Fehler-Quelle! Das Boot darf KEINESFALLS anfangen, rückwärts zu fahren. Ein klitzekleines bisschen "vorwärts treiben" ist noch okay. Aber "rückwärts treiben" ist wirklich schlecht.

Wann genau das Boot zum Stehen gekommen ist, wirst du selbst feststellen. Das ist sehr stark davon abhängig, wie groß und schwer das Boot ist, ob es Strömung oder Rückenwind gibt, wie stark der Motor ist, wie viel Gas du gegeben hast, wie schnell du vorher warst, etc. ...

Praxis-Tipp Beoachte auf dem Wasser treibende Blätter. Daran kannst du leicht erkennen, ob das Boot noch Fahrt macht, oder ob es (so gut wie) still steht.

Da wir das Boot nur abbremsen aber nicht rückwärts fahren sollen, hören wir mit dem Rückwärts-Gas auf, bevor das Boot rückwärts fährt.

Es ist wirklich wichtig, dass das Boot nicht anfängt, rückwärts zu treiben oder sogar rückwärts zu fahren. Denn dabei dreht sich das Boot; mal heftig mal weniger heftig. Und das wäre dann nicht mehr "kursgerecht", so dass das Manöver verkackt wäre...

Ende: Wir wecken den Prüfer

Leerlauf eingelegt? Dann wird es Zeit, den Prüfer zu wecken:

Du:
»Boot ist aufgestoppt!«

Der Prüfer wird nun begutachten, ob das Boot immer noch in der alten Fahrtrichtung ausgerichtet ist (= "kursgerecht") und ob es einigermaßen zum Stillstand gekommen ist (= "aufgestoppt").

Passt beides, wird er dir das nächste Manöver entgegen knurren; passt es nicht, wird er dich das Manöver wiederholen lassen...

Der Grund für die "Ankündigung an den Prüfer ist ganz einfach":

Du sollst imstande sein, Menschen anleiten zu können. Und dazu gehört auch, dass du deiner Umwelt (also etwa deiner Crew) mitteilst, wann du mit dem Aufstoppen fertig bist. So lange werden die sich nämlich krampfhaft irgendwo festhalten.

Der Prüfer wird also - wie deine zukünftige Crew - im Regelfall erst reagieren, wenn du ihm sagst, dass er jetzt die Finger aus den Angstgriffen nehmen kann...

Typische Fehler und Probleme

Dieses Manöver ist super-mega-kinderleicht. JEDER kann es. Spätestens nach dem zweiten Versuch. Man muss sich nur daran gewöhnen, dass wir auf dem Wasser den Rückwärtsgang zum Bremsen benutzen.

Die Fehlerquellen dieses Manövers sind denn auch dementsprechend ziemlich übersichtlich:

Zu Beginn des Manövers nicht geradeaus gelenkt

Das kann man manchen. Dann muss man allerdings sehr sorgfältig und präzise mit dem Gas und dem Lenker arbeiten. Anderenfalls wird das Boot beim Bremsen vom Kurs abweichen.

Beste Lösung Lenke am Beginn des Manövers unbedingt geradeaus! Es muss nicht "perfekt geradeaus" sein; "ungefähr geradeaus" reicht völlig aus.

Zu zögerlich Rückwärts Gas gegeben

Wir machen eine Notbremsung. Da darf es gern etwas mehr "Rückwärts-Gas" sein. Schiebe ruhig den "Hebel on the table"! Lass den Motor brüllen. Der Prüfer wollte es so. Also hat er Schuld, wenn der Motor leidet.

Beste Lösung Schiebe den Hebel im Rückwärtsgang bis an den Anschlag: Gib rückwärts Vollgas!

Du musst den Hebel nicht gewaltsam in einer halben Sekunde nach hinten reißen. Schiebe bzw. ziehe ihn einfach innerhalb von 2 Sekunden (»... ein-und-zwanzig ... zwei-und-zwanzig ...) auf den Tisch.

Zu spät Rückwärts Gas weggenommen

Wir sollen das Boot abbremsen; nicht rückwärts fahren. Deshalb MÜSSEN wir das Rückwärts-Gas wegnehmen, sobald das Boot (fast) steht.

Beste Lösung Beobachte Blätter, Äste, Wellen im Wasser. Daran kannst du gut erkennen, ob das Boot noch fährt oder nicht. Sobald es "gefühlt steht", nimmst du SOFORT das Rückwärts-Gas weg und schaltest in den Leerlauf.

Wie viel Zeit habe ich?

Unendlich; also ca. 2 Minuten

Es gibt keine Zeitvorgabe für das Manöver. Der Prüfer wird dir so lange Zeit lassen, bis du ihm das Ende des Manövers verkündest oder er feststellt, dass du es nicht hinbekommst.

Nur in extremen Ausnahmen wird das Manöver länger als 2 Minuten dauern. Meistens ist es innerhalb von 30 Sekunden abgewickelt...

Das Boot treibt ganz leicht vorwärts. Verkackt?

Nein.

Dieses Manöver soll prüfen, ob du imstande bist, harte Maßnahmen zu ergreifen und das Boot so schnell wie möglich abzubremsen.

Da du mit dem Abbremsen bis hierhin gezeigt hast, dass du es kannst, gibt es keinen Grund, dich durchfallen zu lassen.

In einem echten Notfall würdest du den Steg oder das feindliche Boot ja sehen und könntest einfach noch weiter abbremsen. Im Prüfungs-Manöver haben wir aber nichts, wovor wir bremsen müssten. Da machen wir es, weil der Prüfer sehen will, ob wir es überhaupt können.

Das Boot treibt ganz leicht rückwärts. Verkackt?

Das hängt davon ab.

Wenn du Glück hast und das Boot sich nicht dreht, dann ist das Manöver trotzdem bestanden.

Wenn sich das Boot aber vom Kurs wegdreht (und das tut es in den allermeisten Fällen), ist es kein "kursgerechtes Aufstoppen", sondern ein "irgendwie Aufstoppen". Und das bedeutet: »Manöver verkackt. Noch einmal, bitte!«

Die Prüfer sind keine Unmenschen In aller Regel werden sie auch das noch tolerieren. Das Boot müsste sich schon wirklich heftig drehen, damit die Prüfer das Manöver verloren geben.

Ich vergesse bestimmt, dem Prüfer zu sagen, wann ich fertig bin. Verkackt?

Das hängt davon ab.

Es gibt sone und solche Prüfer. Wenn du an einen gerätst, der die Prüfung deiner "seemannschaftlichen Tauglichkeit" (und nur das wird eigentlich geprüft) ernst nimmt, wird er warten, bis du ihm Bescheid gibst, dass du fertig bist. In diesem Fall kann es passieren, dass sich das Boot mit der Zeit ordentlich vom Kurs wegdreht (Wind, Wellen, etc. sorgen dafür). Tja, und dann ist das Manöver verkackt.

Die Prüfer sind überaus entgegenkommend In aller Regel werden sie das Manöver schon bewerten, wenn du abschließend in den Leerlauf schaltest. Sie haben auch keinen Bock, dich zur Nachprüfung wiederzusehen.

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