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Einfaches Ablegen vom Steg mit dem InnenborderPflicht - Praxis-Manöver - Sportbootführerschein See

Das Pflicht-Manöver »Ablegen vom Steg« gibt es in zwei Varianten. In diesem Abschnitt schauen wir uns das einfache Ablegen vom Steg mit dem Innenborder an.

Die zweite Variante - das »Eindampfen in die Vorspring mit dem Innenborder« solltest du dir aber ZUSÄTZLICH ebenfalls anschauen und so gut lernen, dass du es im Zweifelsfall nutzen kannst.

Prüfungs-Gefahr! Schaue dir dieses Manöver NUR an, wenn du in der Prüfung ein Boot mit Außenborder fahren wirst. Es besteht extreme Verwechslungsgefahr mit dem Manöver »Einfaches Ablegen mit dem Außenborder«. Und diese Verwechslung kann dazu führen, dass du dieses Manöver nicht bestehen wirst.

Wann verwenden wir dieses Manöver?

Wenn wir vor und hinter unserem eigenen Boot genug Platz (mindestens 1/2 - 1 ganze Bootslänge) zu den anderen Booten oder sonstigen Hindernissen haben, ist dieses Manöver leicht und schnell durchführbar.

Wann verwenden wir dieses Manöver NICHT?

Wenn wir vor allem VOR unserem Boot wenig Platz haben, können wir dieses Manöver nicht nutzen.

Es ist aber auch ungeeignet, wenn wir starken seitlichen Wind oder Wellengang haben, die uns gegen den Steg drücken. Dann können wir mit diesem Manöver nicht losfahren, weil es uns immer wieder gegen den Steg drückt.

Auch Wind von schräg hinten, der schräg gegen den Steg weht, macht dieses Manöver ungeeignet, weil wir schneller gegen den Steg gedrückt werden, als wir davon wegfahren können. Und dann gibt's böse Schrammen am Boot.

Die Prüfung darf bei starkem Wind oder Wellengang sowieso nicht durchgeführt werden. Insofern brauchst du davor keine Angst zu haben.

Praktisch jeder Törn beginnt mit dem Ablegen vom Steg. Insofern ist es auch logisch, dass wir dieses Manöver einigermaßen beherrschen sollten.

Vermutlich bist du schon mal mit dem Ruderboot auf den See gefahren. Da war es einfach: Man stößt das Boot einfach mit aller Kraft vom Steg weg und fängt dann an zu rudern.

Das funktioniert wunderbar mit leichten Booten (ein Ruderboot können zwei erwachsene Menschen tragen). Das funktioniert aber nicht mehr, wenn wir über ein tonnenschweres Boot reden. Da stößt du nix mehr ab. Da musst du deinen Kopf und ein paar Tricks nutzen.

Situation und Zielstellung

Unser Boot liegt am Steg. Es ist mit 2 - 4 Leinen am Steg festgebunden. Tja, und wir würden jetzt gern losfahren. Nicht mehr. Nicht weniger.

Der Prüfer wird irgendwann zu dir sagen:

Prüfer:
»Sie können jetzt ablegen!«

Dann sammelst du deine Crew zusammen und lässt sie die Leinen klarmachen.

Benötigte Crew 2
Schwierigkeit
Aufwand

Der Ablauf des Manövers im Schnelldurchgang:

  • 1. Prüfer: »Sie können jetzt ablegen!«
  • 2. Crew einteilen
  • 3. Du: »Klar zum Ablegen!«
  • 4. Du: »Klar bei Vorleine!«
  • 5. Du: »Klar bei Achterleine!«
  • 6. Crewmitglied: »Vorleine ist klar!«
  • 7. Crewmitglied: »Achterleine ist klar!«
  • 8. Motor starten
  • 9. Du: »Achterleine los!«
  • 10. Crewmitglied: »Achterleine ist los!«
  • 11. Du: »Vorleine los!«
  • 12. Crewmitglied: »Vorleine ist los!«
  • 13. Leicht vom Steg weglenken
  • 14. Vorwärtsgang einlegen (kräftig Gas geben!)
  • 15. Gas wieder zurücknehmen, sobald sich das Boot bewegt
  • 16. Freies Wasser erreichen

Prüfungs-Tipp Übe dieses Manöver "trocken" bis du es beherrschst. Stelle dich hin, sage alle Texte und mache alle Handbewegungen genauso, wie du sie auch auf dem Boot machen würdest. Laut. Deutlich. Und mit klaren Handbewegungen

Lern-Tipp So albern es dir vielleicht erscheinen mag: Dein Kopf speichert diese Informationen - also deine Handbewegungen und die Texte - zusammen ab. In der Prüfung wirst du dich dann sehr leicht, geradezu "automatisch", an jeden Handgriff und die notwendigen Texte erinnern können.

Prüfungs-Tipp Lass dir von deiner Familie helfen: Sie sind der Prüfer und kontrollieren deine Handbewegungen und Texte mit dieser Manöver-Übersicht. Dann lernst du es schneller und einfacher auswendig.

Vorüberlegungen: Was müssen wir eigentlich machen?

Bei diesem Manöver sind wir auf die Hilfe unserer Crew angewiesen. Deshalb werden wir es auch damit beginnen, dass wir unsere Crew akquirieren.

Außerdem ist das Boot mit 2 - 4 Leinen am Steg befestigt. Die beäugen wir noch mal und lassen, falls es vier Leinen sind, die ersten beiden schon entfernen.

Zum Schluss wollen wir nacheinander(!) die beiden restlichen Leinen lösen lassen. Und zwar zuerst die hintere, dann die vordere Leine.

Und schließlich wollen wir losfahren.

Gehe vor jedem Manöver noch einmal schnell durch, was dieses Manöver alles von dir erwartet. Was wird gebraucht? Was nicht? Brauche ich hilfe? Wohin muss ich wann lenken? Wer muss was machen?

Kläre diese Fragen FÜR DICH SELBST, bevor du mit dem Manöver beginnst. Dann wird es dir sehr viel leichter gelingen.

Schritt 1: Crew einteilen

Da wir bei diesem Manöver Hilfe brauchen, besorgen wir uns zunächst einmal eine Crew.

Im Regelfall wirst du während der Prüfung nicht allein auf dem Boot sitzen. Da wären die anderen Delinquenten, die darauf warten, selbst ans Ruder zu dürfen und die Prüfung abzulegen. Da wäre der Eigentümer des Bootes, der meistens mitfährt. (Oft ist es ein Ausbilder der Fahrschule, der das Boot gehört.) Und da wäre der Prüfer, der bei uns noch lange keine ruhige Kugel schieben muss. Und im Notfall wären da noch ein Haufen Gaffer auf dem Steg, die wir ebenfalls heranziehen können.

Crew-Akquise = Bestandteil der Prüfung! Die Prüfung lautet nicht nur: » Kannst du wirklich mit dem Boot ablegen?«; sondern auch » Kannst du - als Skipper - auch eine Crew anleiten?«

Da wir für dieses Manöver 2 Leute brauchen, fordern wir sie ganz direkt auf:

Du:
»Gehst du bitte an die Achterleine?«

Du:
»Gehst du bitte an die Vorleine?«

Es ist ganz egal, ob du die Leute beim Namen kennst oder nicht: Schaue ihnen in die Augen, sorge für Blickkontakt und dann fordere sie auf, dir zu helfen! Ja, das gilt auch für den Prüfer und den Besitzer des Bootes, wenn du den Mumm dazu hast; mindestens aber, wenn nicht genug andere Leute da sind.

Praxis-Tipp Es ist uralter Seemanns-Brauch, dass man sich gegenseitig hilft. Eigentlich schon freiwillig. Aber allerspätestens auf eine Aufforderung hin. Das gilt auch für den Prüfer und den Besitzer des Bootes.

Sobald du deine Crew zusammengesammelt und eingeteilt hast, kann das eigentliche Manöver beginnen. Und damit jeder weiß, welches Manöver dir vorschwebt, kündigst du es mit lauten und klaren Worten an:

Du:
»Klar zum Ablegen!«

Praxis-Tipp Es ist uralter Seemanns-Brauch, dass man sich gegenseitig hilft. Eigentlich schon freiwillig. Aber allerspätestens auf eine Aufforderung hin. Das gilt auch für den Prüfer und den Besitzer des Bootes.

Es ist unsere Aufgabe als Skipper, dafür zu sorgen, dass wir alles haben, was wir zum Losfahren brauchen.

In diesem Fall brauchen wir vier zusätzliche Hände, die für uns die Leinen vom Steg losmachen. ... Also besorgen wir uns die Hände.

Schritt 2: Leinen sortieren

Nachdem wir die Crew eingeteilt haben, scheuchen wir sie an die Arbeit:

Du:
»Klar bei Vorleine!«

Du:
»Klar bei Achterleine!«

Diese beiden Kommandos kannst du gleichzeitig brüllen, weil du eigentlich nur willst, dass deine Leute jetzt die Vorbereitungen treffen.

Fehler-Quelle! Warte, bis du die Rückmeldung von deiner Crew bekommst. Es kann 1.001 Gründe geben, warum es länger dauert. Aber du darfst KEINESFALLS WEITERMACHEN, solange du diese Rückmeldung nicht bekommen hast.

Wichtig ist jetzt aber, dass du wartest, bis du die Rückmeldung von deinen Crew-Mitgliedern bekommst:

Crewmitglied an der Achterleine:
»Achterleine ist klar!«

Crewmitglied an der Vorleine:
»Vorleine ist klar!«

Damit hat deine Crew sich vorbereitet und befindet sich an den richtigen Plätzen. Jetzt kann es endlich losgehen...

Bevor wir losfahren können, müssen wir erst mal sicherstellen, dass das Manöver glatt laufen wird.

Mit dem Kommando »Klar bei ...« weist du deine Crew an, die Leinen zu sortieren und schon mal vorzubereiten, damit nachher alles schnell geht.

Deine Crew wird also anfangen, die Leinen in die Hand zu nehmen und zu gucken, ob da irgendwo ein Knoten ist, den man nicht gleich aufbekommen kann. Das kann einige Sekunden dauern, also gedulde dich bis du eine Antwort bekommst!

Wenn es gar zu lange dauert, kannst du auch nachschauen, was da los ist und warum die Faulpelze nicht machen, was du sagst.

Schritt 3: Wir starten den Motor

Erst wenn wir die Crew eingeteilt haben - und wirklich ERST DANN - starten wir den Motor.

Dabei stellen wir zuerst sicher, dass kein Gang eingelegt ist. (Der Ganghebel muss sich in der Mittelstellung befinden.) Da wir keine Kupplung haben, würde das Boot sofort beim Starten "nach vorn rucken", was zu Verletzungen bei der Crew führen könnte.

Dann warten wir einige Sekunden ab und lauschen auf das Geräusch des Motors: Läuft er "rund"? Oder lässt er möglicherweise Probleme erkennen, die uns in Schwierigkeiten bringen könnten, wenn wir die Leinen vom Steg lösen lassen?

Prüfungs-Tipp Im Regelfall kannst du davon ausgehen, dass der Motor des Prüfungsbootes gut funktioniert. Wenn du aber glaubst, dass da irgendwas "nicht normal" klingt, dann frage lieber einmal zu oft den Besitzer des Bootes, als dass du gleich Schwierigkeiten bekommst, weil der Motor nicht richtig funktioniert.

Wir starten den Motor erst, wenn wir die Crew eingeteilt haben. Erst dann wissen wir ja auch, dass wir wirklich ablegen können.

Und wir warten ein paar Sekunden ab, bis der Motor sich beruhigt hat und schnurrend seinen Dienst verrichtet. Sollte er nämlich mitten im Ablege-Vorgang ausgehen, weil er kaputt ist, hätten wir ein ernstes Problem ... und gleich mal unser erstes Manöver verkackt. Nicht, weil wir den Motor "kaputt gemacht" haben, sondern weil wir unsere "seemännische Sorgfaltspflicht" nicht gewahrt haben. Und die wird sehr wohl geprüft...

Schritt 4: »Achterleine los!«

Unser Boot hängt nun noch an zwei Leinen am Steg fest. Die Achterleine ist die Leine, die das Boot hinten festhält. (Achtern = Hinten) Und genau diese Leine wollen wir jetzt loswerden:

Du:
»Achterleine los!«

Damit gibst du deinem Crewmitglied an der Achterleine das Kommando, dass du bereit bist, loszufahren. Er soll jetzt die Achterleine lösen.

Crewmitglied:
»Achterleine ist los!«

Damit sagt dir dein Crewmitglied, dass die Achterleine vom Steg losgemacht ist und keine Gefahr oder Behinderung mehr darstellt.

Ganz egal, wie lange es bis zur Antwort dauert! Warte auf die Antwort deines Crewmitglieds, bevor du weitermachst! Das ist ABSOLUT WICHTIG, denn wenn es länger dauert, kann das gute Gründe haben (beispielsweise, weil er den Knoten nicht aufbekommt; oder weil er dabei ins Wasser gefallen ist).

Du musst wirklich die Geduld aufbringen, abzuwarten, bis dir deine Crew die Rückmeldung gibt. Sollte es zu lange dauern, kannst du gern hinschauen (aber nie nimmer nicht vom Ruder weggehen!), was sich da so lange hinziehen kann.

Mache KEINESFALLS weiter, solange du nicht die Rückmeldung bekommen hast!

Da unser Motor hinten sitzt, ist das Boot hinten ziemlich beweglich. Wenn wir also zuerst die Achterleine lösen lassen und es uns dann doch noch mal überlegen (beispielweise, weil wir das Bier vergessen haben), dann können wir das Boot mit dem Motor wieder an den Steg drücken.

Das würde nicht - oder zumindest nicht so leicht - funktionieren, wenn wir erst die Vorleine losmachen würden.

Schritt 5: »Vorleine los!«

Mittlerweile hängt das Boot nur noch an einer einzigen Leine am Steg fest. Und auch die werden wir jetzt lösen lassen.

Du:
»Vorleine los!«

Dein Crewmitglied wird - und DARF(!) - die Vorleine erst lösen, wenn du es bestimmst. Bis hierhin könntest du das Ablege-Manöver nämlich immer noch abbrechen, wenn du gute Gründe hast.

Crewmitglied:
»Vorleine ist los!«

Das war's! Jetzt ist dein Boot vom Steg los. Und alles, was wir jetzt noch schaffen müssen, ist ohne Schrammen und Blessuren vom Steg wegzukommen.

Ganz egal, wie lange es bis zur Antwort dauert! Warte auf die Antwort deines Crewmitglieds, bevor du weitermachst! Das ist ABSOLUT WICHTIG, denn wenn es länger dauert, kann das gute Gründe haben (beispielsweise, weil er den Knoten nicht aufbekommt; oder weil er dabei ins Wasser gefallen ist).

Du musst wirklich die Geduld aufbringen, abzuwarten, bis dir deine Crew die Rückmeldung gibt. Sollte es zu lange dauern, kannst du gern hinschauen (aber nie nimmer nicht vom Ruder weggehen!), was sich da so lange hinziehen kann.

Mache KEINESFALLS weiter, solange du nicht die Rückmeldung bekommen hast!

Wie schon beim Losmachen der Achterleine angedeutet: Wenn die Vorleine los ist, dann ist das Boot zwingend auf den Motor angewiesen. Ganz egal, ob du dann das Manöver abbrechen willst oder ob du vom Steg wegfahren willst: Du wirst den Motor brauchen, um das Boot zu kontrollieren.

Schritt 6: Mit ordentlich Schub losfahren ... dann Gas wegnehmen

Das Boot ist nicht mehr am Steg befestigt. Aber es liegt noch dicht neben dem Steg. Das bedeutet, dass wir jetzt sehr langsam und vorsichtig lenken und Gas geben müssen, um ohne Schrammen vom Steg wegzukommen.

Wir lenken also ein bisschen vom Steg weg (etwa 1/2 - 1 Lenker-Drehung; eventuell ein kleines bisschen mehr) und lassen den Vorwärtsgang einrasten. Dann geben wir kurz kräftig Gas (etwa 1/2 Kraft vorwärts).

Fehler-Quelle! Du musst am Anfang wirklich sehr kräftig Gas geben. Aber sobald sich das Boot zu bewegen beginnt, musst du das Gas wieder wegnehmen.

Das Boot wird sich leicht vom Steg wegdrehen und ganz langsam beginnen, vorwärts zu gleiten. Es kann ein paar Sekunden dauern, bevor es losgeht. Aber das ist okay. Wir sind ja schließlich in der Prüfung und nicht auf der Flucht.

Sobald das Boot beginnt vorwärts zu fahren, nehmen wir das Gas (fast) ganz wieder weg und lassen den Motor im eingelegten Vorwärtsgang und bei "Standgas" allein tuckern.

Dein Innenbord-Motor hat eine starre Schraube. Anders als beim Außenborder kannst du also nicht mit der Schraube lenken.

Damit aber das Ruder eine Lenk-Wirkung hat, braucht es Wasser-Anströmung. Normalerweise entsteht die ganz allein, wenn das Boot durch das Wasser gleitet. Doch jetzt gleitet noch nix. Also hat das Ruder auch NULL LENK-WIRKUNG.

Deshalb bedienen wir uns eines kleinen schmutzigen Tricks: Durch das kräftige Gas sorgen wir dafür, dass das Wasser nach hinten gedrückt wird. Es strömt also - erst langsam, dann immer schneller - am Ruder vorbei; obwohl sich das Boot noch gar nicht bewegt.

Dadurch hat das Boot die notwendige Wasserströmung und das Ruder kann lenken.

Ende: Wir haben "freies Wasser" erreicht...

Das Manöver ist automatisch beendet, sobald das Boot mehr als 3 Bootslängen vom Steg weggefahren ist.

Der Prüfer wird sich im Regelfall nicht rühren (= gutes Zeichen) und dir stattdessen die nächsten Anweisungen geben; also das nächste Manöver ansagen.

Wir haben das Ziel unseres Manövers erreicht: Das Boot ist im "freien Wasser", kein Crew-Mitglied ist verloren gegangen oder muss ins Krankenhaus.

Besser geht's nicht...

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