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»Besteck versetzen? Ick wull di wat, wenn du mein Besteck versetzt!«Lernhilfe: "Besteckversetzung" - Sportbootführerschein See

Einige Aufgaben in der Navigations-Prüfung verlangen von uns, eine sogenannte Besteck-Versetzung zu ermitteln.

In dieser Lernhilfe schauen wir uns an, was das ist, diese "Besteck-Versetzung".

Gefahr des Verzettelns! Diese Aufgaben sind ziemlich kniffelig. Es besteht die dringende Gefahr, dass du dich hier verzettelst. Achte sorgsam auf die Zeit, wenn du diese Aufgabe zu lösen versuchst!

Prüfungs-Tipp Lasse die Besteck-Versetzungsaufgaben in der scharfen Prüfung einfach aus. Die wenigen Punkte, die man dafür bekommen kann, sind den Aufwand nicht wert.

Prüfungs-Tipp Konzentriere dich in der eingesparten Zeit lieber darauf, alle Fragen im Fragebogen richtig zu beantworten.

Was ist das: Besteck-Versetzung?

Geplanter und tatsächlicher Kurs

Stellen wir uns mal vor, wir steigen in Tallin aufs Schiff und fahren schnurgerade nach Stockholm rüber. Zumindest ist das der Plan. Wir zielen also fast exakt auf 270°. Und der Kompass ist brav und macht das artig mit.

Der Wind weht mit 5 Beaufort (Bft), also "frischem Wind", fast exakt aus Norden; wir haben also perfektes Segel-Wetter, wie man es nur selten bekommt.

Wir fahren Stunde um Stunde mit exakt angelegtem Kurs, den wir vorher im trockenen und ruhigen Hafen von Tallin ausgerechnet haben. Es gibt keine Abweichungen von diesem Kurs. Und es gibt auch keinerlei Schwierigkeiten. ... Schließlich müssen wir doch einfach nur geradeaus fahren.

Trotzdem gehen wir nicht etwa in Stockholm an Land, sondern 100 km süd-süd-westlich davon. ... Wie konnte das passieren?!

Wie entsteht so eine Besteck-Versetzung?

Wir untersuchen alles, was uns einfällt: Kompass? Ist heil und zeigt die richtige Richtung an. Ruder schief? Auch das ist es nicht. Rudergänger besoffen? Nein, auch das können wir ausschließen. Obwohl die Party in Tallin mit Segel-Freunden, die wir dort getroffen haben, gestern abend ziemlich heftig war, hat es uns nicht so schwer abstürzen lassen, dass wir den Kompass nicht mehr ablesen können.

Trotzdem sind wir nicht da, wo wir unseren Hafen-Berechnungen nach sein müssten...

Und der Grund ist ganz einfach: Wind und Strömung haben uns vom Kurs abgebracht. Das ist völlig normal, denn wir fahren nicht auf Rädern über Land sondern wir schwimmen auf beweglichem Wasser. Und da kann es durchaus passieren, dass wir "quer" durchs Wasser abtreiben, oder dass die Strömung uns auf ihrem Weg ein Stück mitnimmt. Nein, es kann nicht nur: Es WIRD passieren.

"Besteck-Versetzung" ist die Differenz zwischen "berechnetem Ort" (OK) und "beobachtetem Ort" (OB).

Und diesen Unterschied zwischen "erwartetem Ort" (jedenfalls nach unseren Berechnungen erwartet) und "tatsächlichem Ort" (wir haben Eingeborene gefragt, es sind wirklich 100 km Luftlinie bis Stockholm) nennen wir "Besteck-Versetzung".

Dabei interessieren uns zwei Merkmale dieser Besteck-Versetzung ganz besonders:

  • In welche Richtung hat es uns versetzt?
  • Wie weit hat es uns versetzt?

Aus diesen beiden Angaben können wir errechnen, wie weit uns Wind und Strömung in einer bestimmten Zeit vom Ziel abtreiben lassen. Und wenn wir das dann in die nächsten Kurs-Berechnungen einfließen lassen, können wir noch genauer aufs Ziel zusteuern und müssen nicht irgendwo Zwischenstation machen, um Eingeborene nach dem Weg zu fragen...

Geplanter und tatsächlicher Kurs

Das ist eine völlig normale Sache, die wirklich jeden Tag passiert. Bei kurzen Strecken stört sie uns nicht. Wenn wir aber über die Ostsee, die Nordsee, das Mittelmeer oder gar Atlantik bzw. Pazifik heizen, kann es leicht passieren, dass wir mehrere Hundert Kilometer neben dem Ziel rauskommen, wenn wir sie nicht berücksichtigen.

Warum heißt es "Besteck-Versetzung"?

Wir nennen unser Navigations-Besteck (Zirkel & Dreieck) meist nur kurz "Besteck". Und Profi-Navigatoren lassen das Besteck in der Nähe des Punktes auf der Karte liegen, von dem aus sie weiterberechnen wollen. Das spart Zeit und Mühe.

Wenn allerdings der tatsächliche Ort dann später ganz woanders ist, dann muss man das Besteck auf der Karte verschieben. Wir nennen das "versetzen". ... Und deshalb heißt es: "Besteck versetzen" oder eben "Besteck-Versetzung".

Was machen wir mit der Besteck-Versetzung?

Wir können die Besteck-Versetzung mit unserem Wissen zwar ausrechnen und abmessen; aber sie nutzt uns nix. Denn wir können mit den ermittelten Werten nicht das Geringste anfangen.

Die Besteck-Versetzung ist also mit unserem Wissen eine völlig zweckfreie "so-da"-Berechnung zum reinen Zeitvertreib.

Hier wird's ernüchternd: Wir können damit gar nix anfangen. Jedenfalls nicht beim Sportbootführerschein See.

Wir wissen gar nicht, wie wir Wind und Strömung (von anderen Faktoren ganz zu schweigen) in unsere Kurs-Berechnungen einbeziehen sollen. Und deshalb hilft es uns ... gar nix ... also wirklich nicht das Allermindeste, das zu wissen.

Die Besteck-Versetzung ist völlig sinnlos, weil wir sie mit unserem Sportbootführerschein-Wissen gar nicht anwenden können.

In der Prüfung sollen wir also eine Besteck-Versetzung ermitteln, mit der wir nicht das Geringste anfangen können... Selbst wenn wir wollten.

Erst beim SKS, also dem "Sportküstenschifferschein", werden wir den ersten Sinn darin entdecken und auch damit herumrechnen. Aber beim Sportbootführerschein See, also dem Schein, für den wir gerade lernen, können wir wirklich nicht die Bohne damit anfangen.

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