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Wassersport Akademie

Fahren nach KompassPflicht - Praxis-Manöver - Sportbootführerschein See

Das Pflicht-Manöver »Fahren nach Kompass« ist so einfach, dass du gleich denken wirst, dass wir dich verarschen wollen.

Dennoch: Es hat seine Tücken, denn du musst in die richtige Richtung lenken können. Und dazu musst du mitdenken...

Auf dem großen, weiten Wasser haben wir oft als einzige Orientierung nur den Kompass. Er zeigt uns die Richtung an, wo es in die nächste Kneipe, nach Hause oder sonstwohin geht.

Und wir sollten in der Lage sein, in die passende Richtung fahren zu können. Nicht mehr. Nicht weniger.

Situation und Zielstellung

Wir tuckern auf dem Wasser so vor uns hin. Nicht gestört zu werden, steht uns im Sinn.

Der Prüfer wird irgendwann zu dir sagen:

Prüfer:
»Neuer Kurs: 3-5-0!«

Dann lenkst du einfach auf den neuen Kurs, sagst dem Prüfer, dass du auf dem neuen Kurs bist. Und beide freuen sich.

Benötigte Crew - (keine)
Schwierigkeit
Aufwand

Der Ablauf des Manövers im Schnelldurchgang:

  • 1. Prüfer: »Neuer Kurs: 1-8-0«
  • 2. Du: »Neuer Kurs: 1-8-0«
  • 3. Auf den neuen Kurs lenken
  • 4. Du: »Kurs 1-8-0 liegt an!«

Prüfungs-Tipp Übe dieses Manöver "trocken" bis du es beherrschst. Stelle dich hin, sage alle Texte und mache alle Handbewegungen genauso, wie du sie auch auf dem Boot machen würdest. Laut. Deutlich. Und mit klaren Handbewegungen

Lern-Tipp So albern es dir vielleicht erscheinen mag: Dein Kopf speichert diese Informationen - also deine Handbewegungen und die Texte - zusammen ab. In der Prüfung wirst du dich dann sehr leicht, geradezu "automatisch", an jeden Handgriff und die notwendigen Texte erinnern können.

Prüfungs-Tipp Lass dir von deiner Familie helfen: Sie sind der Prüfer und kontrollieren deine Handbewegungen und Texte mit dieser Manöver-Übersicht. Dann lernst du es schneller und einfacher auswendig.

Wie funktioniert eigentlich der Kompass?

Bevor wir uns mit dem eigentlichen Manöver auseinandersetzen, überlegen wir noch mal, wie der Kompass eigentlich funktioniert. Sobald wir das nämlich begriffen haben, ist das Manöver ein Kinderspiel.

Der Kompass besteht aus einem äußeren Gehäuse und einer im Inneren frei schwimmenden Kompass-Nadel. Diese Kompass-Nadel zeigt IMMER nach Norden. (Und zwar zeigt sie zum magnetischen Nordpol.)

Dabei ist es völlig egal, in welche Richtung unser Boot gerade fährt: Die Kompass-Nadel zeigt IMMER nach Norden.

Nicht der Kompass dreht sich, sondern das Boot!

Das hat ganz praktische Auswirkungen auf uns: Denn nicht der Kompass dreht sich. Sondern wir drehen das Boot um den Kompass herum.

Das ist der eigentliche Trick Wir drehen also den sogenannten "Steuerstrich".

Der Kompass

Prüfer: »Neuer Kurs: 0-9-0«

Irgendwann wird der Prüfer zu dir sagen:

»Neuer Kurs: 0-9-0!«

Das ist für dich das Zeichen, dass der Prüfer jetzt dieses Manöver von dir sehen will.

Der Prüfer kann jede Zahl zwischen 0-0-0 und 3-6-0 sagen.

Die Zahl kann als Ziffernfolge (0-9-0) oder als Zahl (90) angesagt werden. Üblich ist aber eine Ziffernfolge, weil die klarer verständlich ist.

Der weitere Verlauf des Manövers hängt von deinem gerade gefahrenen Kurs ab. Wir gehen im Beispiel vom aktuellen Kurs 020° (0-2-0) aus.

Stelle dir einfach vor, dein Navigator hätte unter Deck den neuen Kurs ausgerechnet. (Guckst du: Navigations-Aufgaben; dort machen wir es wirklich so) Jetzt kommt er nach oben gestürmt und teilt dir den neuen Kurs mit.

Dein Job ist es nun, den neuen Kurs anzusteuern und dann auch zu halten...

Du: »Neuer Kurs: 0-9-0«

Noch bevor du irgend etwas anderes machst, bestätigst du die Anweisung des Prüfers:

Du:
»Neuer Kurs: 0-9-0!«

Das machen wir immer, damit wir wirklich sicher gehen können, dass wir keine Missverständnisse haben. Anders als in deinem Wohnzimmer, in dem du jetzt warm, trocken und windstill sitzt, hast du auf dem Boot nämlich ständig irgendwelche Geräusche. Und die könnten die Anweisung übertönen.

Wir wiederholen JEDES Kommando. Auch - und ganz besonders - wenn es vom Prüfer kommt.

Damit stellen wir zum Einen sicher, dass wir die Anweisung richtig verstanden haben.

Zum Anderen gben wir damit aber auch an andere Leute auf dem Boot weiter, falls sie die Anweisung nicht gehört haben sollten.

Bei fast jedem Manöver muss die Crew irgendwo die Finger raushalten oder den Kopf einziehen. Als Skipper müssen wir dafür sorgen, dass sie rechtzeitig die Chance dazu bekommen. Und das können sie nur, wenn sie wissen, was gleich für ein Manöver stattfinden soll oder gerade stattfindet.

Schritt: Lenken mit Rechnen?

Eine immer funktionierende Variante ist das Lenken mit Rechnen.

Dazu müssen wir zuerst unseren aktuellen Kurs kennen. Nehmen wir an, wir fahren gerade 020° (0-2-0).

Dann rechnen wir:

20 + 180

Wenn die ausgerechnete Zahl größer als der neue Kurs ist, dann müssen wir rechts herum fahren.

Wenn die ausgerechnete Zahl kleiner als der neue Kurs ist, dann müssen wir links herum fahren.

= 200

Die ausgerechnete Zahl (200) ist größer als der neue Kurs (90). Also müssen wir rechts herum fahren.

Warum ist das wichtig? Der Prüfer verlangt von uns, dass wir den kürzesten Weg finden sollen. Wir dürfen also zum Einlenken auf den neuen Kurs nicht mehr als einen Halbkreis (180°) fahren. Sonst ist das Manöver vergeigt und wir müssen es wiederholen.

Rechen-Tipp Es ist einfacher und schneller, wenn du rechnest: (aktueller Kurs) + 200 - 20; also in unserem Beispiel: 20 + 200 - 20.

Rechenbeispiel mit Übertrag

Aktueller Kurs = 350°
Neuer Kurs = 020°
Rechenweg = 350 + 200 = 550 - 20 = 530

Da aber die Zahl größer als die maximale Kompass-Richtung (360) ist, müssen wir nun 360 (oder einfacher: "- 400 + 40") abziehen:

Rechenweg = 530 - 400 = 130 + 40 = 170
Ergebnis = 170

Damit haben wir festgestellt, dass die ausgerechnete Zahl (170) größer als der neue Kurs (20) ist. Wir können also rechts herum fahren. Wenn der neue Kurs aber größer als 170° wäre, müssten wir links herum fahren.

Mit dem Rechnen prüfen wir, ob wir mehr als einen Halbkreis fahren müssten, wenn wir rechts herum fahren.

Wenn das nicht der Fall ist, dann können wir rechts herum fahren. Falls das aber doch der Fall sein sollte, dann ist "links herum" der kürzere Weg.

Schritt: Lenken mit Schätzen?

Obwohl das "Lenken mit Rechnen" immer funktioniert und absolut sicher ist; und obwohl es sehr einfach ist und man es jederzeit im Kopf ausrechnen kann, gibt es noch eine andere Variante.

Dabei nutzen wir den Steuerstrich am Kompass als Schätzmarke.

Du siehst auf der Abbildung die zwei hellen Striche? Das ist der sogenannte "Steuerstrich". Der zeigt deinen aktuellen Kurs an. Und zwar einmal "von oben" (der obere Strich) und einmal "von der Seite" (der untere Strich). Kannst du es wirklich erkennen?

Beachte: Der obere Steuerstrich

Dieser Steuerstrich zeigt dir den aktuellen Kurs an. In diese Richtung fährst du also gerade. (Auf der Abbildung sieht du also "20°", richtig?!)

Beachte: Der untere Steuerstrich

Der untere Steuerstrich zeigt dir den sogenannten "Gegenkurs" an. Das ist die Kurs-Richtung, wenn du jetzt umkehren wolltest. (Auf unserer Abbildung kannst du es nicht sehen. Aber du weißt: Es muss 20 + 180 = 200° sein.) Der untere Steuerstrich zeigt also auf 200° (wenn man von oben auf den Kompass draufguckt).

Das nutzen wir schamlos aus!

Wenn der Prüfer nun einen neuen Kurs ansagt, der kleiner als der Gegenkurs (bei uns also 200°) ist; dann müssen wir rechts herum fahren. Wenn der Prüfer aber einen neuen Kurs ansagt, der größer als der Gegenkurs ist, dann müssen wir links herum fahren.

Der Kompass

Neuer Kurs rechts vom Steuer-Strich? Dann fahre rechts herum!

Neuer Kurs links vom Steuer-Strich? Dann fahre links herum!

Dieses "Schätzen" wird dir schon nach ein paar Tagen der Übung in Fleisch und Blut übergehen. Irgendwann sitzt du - so wie ich jetzt - da und denkst: »Mööööönsch, wie war das noch mit dem Ausrechnen des neuen Kurses? Das geht so intuitiv, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, wie man es eigentlich macht...«

Letzter Schritt: Lenken beenden

Wie beim Auto auch müssen wir daran denken, dass wir rechtzeitig mit dem Lenken aufhören.

Sobald wir also kurz vor dem neuen Kurs sind (etwa 20-30° vorher), beginnen wir den Lenker langsam wieder in Geradeausfahrt zu drehen. Je weiter wir ihn eingeschlagen haben, desto schneller müssen wir ihn wieder in die Geradeaus-Richtung drehen.

Fehler-Quelle! Der Kompass hat eine eingebaute "Trägheit". Damit verhindern wir, dass er bei jeder Wellenbewegung wie ein Lämmerschwanz zappelt. Das bedeutet aber auch, dass er dir die neue Kursrichtung "mit Verspätung" anzeigt.

Weil der Kompass aber eine eingebaute "Trägheit" hat, zeigt er Kursänderungen nicht sofort an. Fahre deshalb die Kurve nicht zu eng! Es muss kein scharfer Knick wie auf der Straße beim Abbiegen sein. Es darf gern eine mittlere Kurvenfahrt sein.

Wenn wir nicht rechtzeitig mit der Drehung aufhören, wird sich das Boot weiter als bis zum neuen Kurs drehen. Deshalb beginnen wir einfach 20-30° vor dem neuen Kurs schon allmählich wieder in die Geradeaus-Fahrt zu lenken.

Allmählich! Denn wir wollen ja das letzte Stück auch noch schaffen. Nur eben nicht mehr so hastig.

Du: »Kurs 0-9-0 liegt an!«

Sobald du den neuen Kurs erreicht hast und wieder geradeaus fährst, weckst du als letzte Aktion den Prüfer auf:

Du:
»Neuer Kurs 0-9-0 liegt an!«

Der Prüfer wird jetzt einen Blick auf den Kompass werfen und sich vergewissern, dass du den neuen Kurs wirklich anliegen hast.

Dabei wird er - hoffentlich(!) - schweigen wie ein Grab. Denn das ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet: »Manöver bestanden!«

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