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Seeschlag Fachbegriffe, um die wir nicht herumkommen können

Als »Seeschlag« bezeichnen wir den Schaden, den Wasser an einem Schiff anrichten kann. Und sei versichert: Dieser Schaden kann wirklich erschreckend sein...

Stelle dir einfach mal vor, du würdest dieses Wetter nicht im Warmen und Trockenen irgendwo im Hinterland abwettern, sondern an Bord eines Schiffes. Kannst du dir die Gewalt des Wassers vorstellen?

Keine Freak-Waves, Monster-Wellen, oder so ... sondern "ganz normales Wetter" ... okay, "ein bisschen stürmisches Wetter" ...

Achte auf das heftige Rucken der Kamera. Siehst du diese brutalen Stöße? Und jetzt stelle dir vor, wir reden nicht über ein 70, 100 oder 150 Meter langes Stahlschiff, sondern über eine 8, 9 oder 12 Meter lange Plastikschale, in der du sitzt.

Nun ist es ja nicht so, dass man sich bei solchem Wetter gern da draußen rumtreibt. Im Gegenteil: Die vielbeschworene "gute Seemannschaft" (also die Sorge um dein Schiff, deine Crew und deine Gäste - in dieser Reihenfolge) wird dich daran ebenso hindern, wie deine Versicherung.

Aber es kann dich einfach kalt erwischen. Eine nicht ganz genaue Wettervorhersage; ein langer Törn, bei dem du nicht ausweichen kannst, oder einfach nur Pech ... und schon steckst du mittendrin.

Was kann passieren?

Im Grunde gibt es drei große Gefahren, die durch Seeschlag verursacht werden:

  • Tonnen - und wirklich TONNEN, also tausende Kilogramm - Wasser reißen alles auf dem Boot, was nicht niet- und nagelfest ist, mit sich.
  • Das Boot "stampft" so heftig über die Wellen, dass alles, was nicht super-mega-fest gezurrt wurde, durcheinander fällt.
  • Das Boot fährt nicht mehr, es "springt" förmlich über den Wellenkamm. Im schlimmsten Fall kann es schwere Beschädigungen abbekommen und sinken.

Auswirkung 2 & 3: Bei 0:44 - 0:53 siehst du, wie das Boot erst in große Höhe gehoben wird und dann - fast im freien Fall - wieder auf das Wasser aufschlägt. Das hält ein Plasteschiff einige Male aus. Dann bekommt es die ersten Beschädigungen, Risse oder bricht sogar auseinander.

Auswirkung 1: Bei 0:51 - 0:53 siehst du, welche gewaltigen Wassermengen über das Schiff hinwegspülen. Das Wasser reißt dabei ALLES, was nicht wirklich bombenfest festgezurrt ist, mit ungeheurer Kraft über Bord.

Auswirkung 3: Bei 1:04 - 1:12 kannst du sogar noch deutlicher sehen, wie das Schiff über die Welle wegfährt, dann mit dem Bug (= das vordere Ende des Schiffes) in der Luft hängt und anschließend fast im freien Fall wieder auf das Wasser aufschlägt.

Auf dem Video siehst du zwei dieser Auswirkungen - also die 2. und die 3. - sehr deutlich. Die 1. kann man sich aber gut vorstellen, wenn man sieht, wie viel Wasser da über das Schiff schwappt.

Was kann ich dagegen tun?

Dieses Segelboot befindet sich nicht in einem Sturm. Es ist eine "ganz normale" Brandungswelle nahe am Ufer. Aber auch hier kannst du sehr schön sehen, wie der gesamte vordere Teil des Segelbootes in der Luft schwebt und von dort aus ungebremst auf das Wasser knallt. Aus einer Höhe von ca. 3 - 4 Metern. Ungebremst.

Du wirst NIEMALS 100%-ige Sicherheit vor Seeschlag haben, wenn du einmal in solchem Wetter steckst. Dehalb lautet die erste Regel auch:

Regel 1:
»Vermeide Stürme & Gebiete mit starkem Wellengang!

Auf der See müssen Wellen und Stürme nicht zwingend zusammen kommen. Manchmal gerätst du schon durch Winddrehungen bei frischem bis starkem Wind in sogenannte "Kreuz-Seen". Dabei können sich die Wellen zu ziemlich gefährlichen und meist sehr steilen Wellen auftürmen. Oder du fährst durch eine Gegend, vor der in Luv (also der Seite, von der der Wind kommt) ein Sturm vorbeigezogen ist. Wellen können Hunderte oder sogar Tausende Kilometer auf dem Wasser überwinden, wenn sich sie erst einmal aufgeschaukelt haben. Oder .... oder ... oder ...

Es gibt aber noch drei super-wichtige Dinge, die auch zur guten Seemannschaft gehören:

  • Zurre jeden Menschen und jedes Stück Ladung am Boot fest. Nichts und niemand darf frei herumlaufen oder herumliegen.
  • Steuere das Boot mit dem Bug in die Wellen; ansonsten droht die Gefahr des sogenannten "Querschlagens".
  • Verringere die Fahrtgeschwindigkeit! Aber nur so weit, dass du noch einigermaßen lenken kannst und nicht völlig hilflos Wind und Wellen ausgeliefert bist.

Ganz besonders den letzten Punkt lass uns noch einmal genauer anschauen. Nicht nur, weil er in der Prüfung gefragt wird; sondern auch, weil er wirklich von wesentlicher Bedeutung ist und mithilft, die Schäden zumindest zu reduzieren...

Merken Verringere die Fahrtgeschwindigkeit, um Schäden durch Seeschlag zu vermeiden oder wenigstens zu verringern.

Was du im Video eben nicht sehen konntest, ist die Gewalt, mit der das geschieht: Das Boot wiegt gute 10 Tonnen. Und es knallt aus ca. 3 - 4 Metern Höhe auf das Wasser, das wie Beton wirkt.

In diesem Video siehst du, welche Auswirkungen es aus ähnlichen Höhen hat, wenn man das Schiff "fallen lässt".

Warum sollte ich die Fahrt verringern?

Das Boot springt wie von einer Sprungschanze über die Welle

Übertreibung macht anschaulich Das Boot springt bei zu hoher Geschwindigkeit über die Welle, wie von einer Sprungschanze. Da sich die Geschwindigkeit der Welle und die Geschwindigkeit des Bootes addieren, können diese Sprünge größer werden, als du vielleicht glaubst.

Bei schwerem Seegang (= hohen Wellen) solltest du bekanntlich direkt gegen die Wellen anfahren. Dabei ist es völlig egal, ob sie aus der Richtung kommen, in die du fahren wolltest, oder ob du dafür umkehren musst.

Machst du das nicht, droht dir das Querschlagen deines Bootes (= es kippt seitlich um).

Das heißt also, wir haben folgende Situation:

  • Die Wellen kommen dir entgegen
  • Du fährst auf die Wellen zu

Die Geschwindigkeiten von Wellen und von deinem Boot addieren sich also. (Welle kommt mit, sagen wir, 30 km/h auf dich zu; du fährst mit, sagen wir, 10 km/h dagegen an; zusammen macht das dann 40 km/h Gesamtgeschwindigkeit)

Und jetzt kommt der entscheidende Gedanke: Wellen sind nichts anderes als Sprung-Rampen.

Wie beim Rodeo: Wir reiten die Wellen ab

Wenn du allerdings die Geschwindigkeit so weit reduzierst, dass du zwar noch gut lenken kannst, aber eben nicht mehr ... nun, dann kann das das Boot die Welle "abreiten", wie wir sagen.

Es schaukelt zwar immer noch, wie auf einem bockenden Pferd; aber das Boot "springt" nicht mehr so weit. Und damit werden zumindest größere Schäden am Boot vermieden.

Auf dem höchsten Punkt der Welle schießt das Boot also nicht mehr geradeaus weiter in die Luft; sondern es kippt nach vorn und bleibt nahe am oder sogar im Wasser. Dort rauscht es dann immer schneller werdend den Wellenberg wieder hinunter, bis es im Wellental angekommen ist. ... Und dann geht's mit der nächsten Welle los.

Das Boot reitet die Welle

Das Boot "reitet" die Welle ab Wir nennen es "Abreiten", weil es zwar immer noch ziemlich bockig zugeht; aber die Schäden, die beim harten Aufprall des tonnenschweren Bootes auf dem Wasser unweigerlich entstehen würden, deutlich abgemildert werden.

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